Der Name ist Programm: Der 911 Dakar ist eine Hommage an die Porsche-Erfolge bei der berüchtigten Rallye Paris-Dakar. Und das bei weitem nicht nur optisch: Eine Höherlegung um bis zu 80mm, Offroad-Reifen, angepasste Allrad-Regelelektronik und Schutzplanken für Karosserie und Unterboden machen den Dakar fit für unwegsames Terrain. Die Frage ist nur: Wo finden wir das in der Schweiz? Wir haben eine Antwort gefunden. Spoiler: Für diese Route sollten Sie über die TWINT App verfügen.
Etappe 1: Raststätte Gotthard Nord – Hospental
Wir starten früh morgens an der Raststätte Gotthard Nord mit Fahrtrichtung Süd. Hier decken wir uns mit Kaffee, Gipfeli und Proviant für den Tag ein. Denn der verspricht lang und abenteuerlich zu werden. Zunächst bieten die ersten gut 20 Kilometer auf der Autobahn allerdings eine willkommene Gelegenheit, den 911 Dakar behutsam warmzufahren. Bald schon geht es die kurvige Strasse hinauf in Richtung Andermatt: Einer doppelten und einer einfachen Haarnadelkurve folgt eine Serie von drei Spitzkehren. Hat man die gemeistert, heisst es: Augen auf! Denn rund 200 Meter nach der Einfahrt in die Galerie folgt rechterhand ein versteckter, scharfer Abzweiger. Dies ist der Auftakt zur ersten Offroad-Passage des heutigen Trips.
Per TWINT erstehen wir eine Fahrbewilligung für 10 Franken – und ab geht’s in unbekannte Gefielde. Kurven wohin das Auge blickt, ein endlos wirkendes Geschlängel, teils auf rauen Beton-Platten, teils auf Schotter. Wir klettern Spitzkehre um Spitzkehre steil bergan. Unzählige Tonnen Gestein weit unter uns rauscht der Verkehr im Gotthard-Strassentunnel durch den Berg. Der Weg führt uns vorbei an Kuhherden und verlassenen Militär-Anlagen. Schliesslich gelangen wir auf einen schmalen, wieder asphaltierten Saum, der in einer Sackgasse endet – und einen überwältigenden Ausblick in die Walliser Alpen bietet. Der perfekte Ort für einen Augenblick der Stille, einen Schluck Kaffee und ein erstes Gipfeli. Auf dem Rückweg Richtung Hauptstrasse laden die Schotterpfade zur Erkundung der alten Armee-Anlagen ein. Wir vertagen dieses Vorhaben auf ein andermal, schliesslich haben wir heute noch einiges vor!
Etappe 2: Hospental – Furkapass
Wieder zurück auf der «Hauptstrasse 2» passieren wir Andermatt in Richtung Furkapass und nehmen alsbald die berühmte Passstrasse unter die Offroad-Reifen. Kurze Zeit später verlassen wir die asphaltierte Fahrbahn bereits wieder: Sobald das Hotel Tiefenbach hinter uns liegt, setzen wir den Blinker erneut rechts und tauschen Asphalt gegen unbefestigten Boden. Dafür sind wieder 10 Franken per TWINT gefragt. Sie erlauben uns die Weiterfahrt auf der «Tätschstrasse». So heisst der schmale Schotter-Pfad, der vor allem auf der ersten Hälfte dank einiger Haarnadel-Kurven echte Rallye-Gefühle aufkommen lässt. Auf einem kleinen Parkplatz, der einen Teil der Strecke säumt, ist übrigens Camping erlaubt. Wer das Abenteuer in eine Mehrtagestour einbinden möchte, kann hier sein (Dach-)Zelt aufschlagen. Doch auch diese Möglichkeit lassen wir ungenutzt verstreichen, es ist viel zu früh am Tag. Nach einer kurzen Fotosession sitzen wir wieder in den wie massgeschneidert wirkenden Schalensitzen des Offroad-911ers.
Etappe 3: Furkapass – Grengiols
Auf dem Furka überqueren wir die Grenze vom Kanton Uri ins Wallis. Hier empfängt uns zur Abwechslung wieder Asphalt unter den Rädern. Die «Hauptstrasse 19» führt nach den spektakulären Kehren des Furkapasses immer weiter ins Wallis hinein. Vorbei geht die Reise an Goms und Fiesch zum nächsten Zwischenziel am frühen Nachmittag: Grengiols. Die kleine Gemeinde mit gut 400 Einwohnern dürfte den Wenigsten bekannt sein. Liebhaber von Schotterstrassen würden sie aber sicher zu ihrer Hauptstadt der Schweiz ernennen. Denn in Grengiols, genauer am «Römerweg 1», beginnt einer der spektakulärsten Schotter-Pässe der Schweiz.
Etappe 4: Grengiols – Furggen – Binn
Während der 911 Dakar bereits mit den Reifen zu scharren scheint, zücken wir wieder das Mobiltelefon, denn getreu dem heutigen Motto heisst es auch hier: erst zahlen, dann fahren. Die Fahrbewilligung für die «Forststrasse Furggen» kostet 20 Franken und ist online buchbar, Kreditkarten werden akzeptiert. Und so viel sei verraten: Sie ist jeden Rappen wert.
Zunächst führt eine grobe, enge Schotterstrasse durch dichten Wald. Zwischen dicken Baumstämmen hindurch erhascht das Auge da und dort einen Ausblick auf ein fantastisches Bergpanorama. Abgesehen davon – und von der stetigen Steigung – erinnert die Strecke am ehesten an die Rallye Finnland, die durch dichte, skandinavische Nadelwälder führt. Jetzt ist von Rallyetempo allerdings keine Rede, schliesslich kann jederzeit Gegenverkehr auftauchen.
Mit einem Mal lichtet sich der Wald, wir haben die Baumgrenze erreicht. Die Landschaft wird karg, der Untergrund sandiger und die Luft dünner. Das Rallye Finnland-Feeling wird von Rallye Mexico-Vibes abgelöst, was dem Zauber der Strecke jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Als wir knapp 15 Kilometer später die Passhöhe erreichen, empfängt uns feiner Sand unter unseren Sohlen. Dem eindrücklichen 360-Grad-Panorama huldigen wir mit dem letzten Happen aus unserem Vorrat.
Finale
Nach den spannenden und abwechslungsreichen Eindrücken der vergangenen Stunden schlängelt sich der sandige Pfad auf dem nun begonnenen Rückweg noch ein paar hundert Meter auf einer Hochebene entlang. Dieser folgt der Abstieg nach «Binn». Fast 15 Kilometer Schotterstrasse mit zahlreichen Kurven, Kehren und Bodenwellen bieten einen letzten furiosen Höhepunkt des Tages. Wir tasten uns Meter für Meter der Heimat entgegen und staunen, wie viele Kehren in 15 Kilometer passen – und wie viel Zeit mit ihrer Durchquerung vergeht. Immer hellwach, um weder Schlagloch zu unter- noch blinde Kurven falsch einzuschätzen, vergeht fast eine Stunde auf dem Weg ins Tal. Ein ebenso anstrengendes wie zufriedenstellendes Finale dieses Tagestrips. Umso mehr als die regionale, gehobene Küche im Restaurant Albrun in «Binn» zur anschliessenden Stärkung verschiedenste Köstlichkeiten bereithält.
Info
Je nach Strassenzustand und Fahrweise können wir nicht garantieren, dass die Route mit dem 911 Dakar ohne Lackschäden machbar ist, auch wenn dies bei der Fotofahrt bei gutem Wetter problemlos möglich war. Generell gilt bei Offroad-Fahrten: So langsam wie möglich – so schnell wie nötig. Idealerweise ist man zu zweit unterwegs. An heiklen Stellen ist ein Einweiser / eine Einweiserin hilfreich. Selbstverständlich ist die Route auch mit Macan, Cayenne oder Taycan Cross Turismo erfahrbar.
Route
Ausgangspunkt: Hospental
Ziel: Binn
Strecke: 120km
Fahrtzeit: ca. 2:58 h
Verlauf: Link
(1) Hospenthal
6490 Andermatt
(2) Furkapass
3999 Obergoms
(3) Grengiols
3993 Grengiols
(4) Furggen
3993 Grengiols
(5) Restaurant Abbrun Bin
3996 Binn